Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Klinische Prüfungen

Die einschneidenden Maßnahmen zur Bekämpfung der aktuellen COVID-19-Pandemie stellen eine enorme Herausforderung für die regelkonforme Durchführung klinischer Prüfungen mit Arzneimitteln und Medizinprodukten dar. So können Patienten ihre laut Prüfplan vorgesehenen Studienvisiten oftmals nicht wahrnehmen und sind somit unter Umständen von der Versorgung mit Prüfpräparaten abgeschnitten. Auch die übliche Begleitung der Studiendurchführung durch Monitoringbesuche vor Ort in den Prüfstellen ist derzeit kaum möglich. Sponsoren und Prüfärzte sehen sich daher gezwungen, Lösungen zu finden, die nicht den normalerweise geltenden regulatorischen Anforderungen entsprechen.
In dieser außergewöhnlichen Situation veröffentlichen Behörden, Ethik-Kommissionen und andere Organe Hinweise und Empfehlungen zum Vorgehen in klinischen Prüfungen.
Mit diesem Artikel möchten wir versuchen, Ihnen in der aktuell sehr dynamischen Situation einen Überblick über die verschiedenen verfügbaren Hinweise zu geben.


Deutsche Bundesoberbehörden


Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM):
Das BfArM hat ergänzende Empfehlungen zu den von der EMA herausgegebenen Guidance-Dokumenten (s.u.) zum Mangament klinischer Arzneimittelprüfungen während der COVID-19-Pandemie veröffentlicht. In der jüngsten Version dieser ergänzenden Empfehlungen vom 19. Mai 2020 geht es ausschließlich um die Rahmenbedingungen für einen Quelldatenabgleich (SDV) während eines Remote Monitorings. Weitere Hinweise zu klinischen Prüfungen während der COVID-19-Pandemie hat das BfArM auf seinen Webseiten zusammengestellt.
Zusammen mit dem Arbeitskreis der Ethik-Kommissionen hat das BfArM seine Empfehlungen auch an die Situation in klinischen Prüfungen mit Medizinprodukten angepasst. Die so angepassten Empfehlungen sind auf den Webseiten des BfArM veröffentlicht.
 
Paul Ehrlich-Institut (PEI):
Das PEI hat auf seinen Webseiten den ergänzenden Empfehlungen des BfArM inhaltsgleiche ergänzende Empfehlungen veröffentlicht und verweist ansonsten auf die Webseiten von Eudralex Volume 10 und das dort zu findende Guidance-Dokument der EMA (s.u.).


Ethik-Kommissionen

Arbeitskreis der medizinischen Ethik-Kommissionen in der Bundesrepublik Deutschland e.V.:
Der Arbeitskreis weist auf seinen Webseiten darauf hin, dass bei allen Entscheidungen die Sicherheit und das Wohlergehen der Patienten an oberster Stelle stehen müssen und die Versorgung der Studienteilnehmer mit Prüfpräparaten unbedingt sichergestellt werden soll. Zudem informiert der Arbeitskreis darüber, wann Rekrutierungsstopps und Studienabbrüche der zuständigen Ethik-Kommission gemeldet werden müssen. Zur weiteren Orientierung verweist der Arbeitskreis auf das erste EMA-Dokument (s.u.). Da die als Präsenzveranstaltung durchzuführenden GCP-Prüferkurse derzeit nicht stattfinden können, gibt der Arbeitskreis bekannt, dass diese Kurse vorübergehend auch als reine online-Kurse oder web-basierte Seminare absolviert werden können. Der Arbeitskreis hat seine Empfehlungen und Hinweise in einer FAQ-Liste zusammengefasst, die fortlaufend aktualisiert wird.


Ausländische Behörden
 
European Medicines Agency (EMA):
Die europäische EMA hat auf ihren Webseiten inzwischen die Version 4 (04/02/2021) eines recht umfangreichen Guidance-Dokuments zum Management klinischer Prüfungen während der COVID-19-Pandemie veröffentlicht.
Ein zweites Guidance-Dokument zu methodologischen Aspekten wurde zunächst als Entwurf veröffentlicht, der bis zum 25. April 2020 kommentiert werden konnte, und liegt nun in finaler Form vor (Revision 1, 26-Jun-2020).

Heads of Medicines Agencies (HMA):
Das Netzwerk der Leiter der europäischen Zulassungsbehörden hat eine Liste mit Links zu nationalen Empfehlungen zusammengestellt, die die Guidance-Dokumente der EMA (s.o.) ergänzen.

Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA)
:
In einem Blog-Beitrag teilt das Inspektorat der britischen MHRA mit, dass eine pandemiebedingte Häufung von Prüfplanabweichungen nicht als Serious Breach gemeldet werden muss, solange die Patientensicherheit nicht gefährdet ist. Zudem empfiehlt die MHRA ein kurzes Risikoassessment für alternative Maßnahmen, die nun getroffen werden, um die medizinische Versorgung der Prüfungsteilnehmer sicherzustellen.
Inzwischen präsentiert die MHRA ihre Empfehlungen gesammelt auf ihren Webseiten. Dazu gehören auch Anleitungen für Sponsoren und Prüfärzte zum Umgang mit klinischen Prüfungen mit Arzneimitteln und mit Medizinprodukten während der COVID-19-Pandemie. 

Food and Drug Administration (FDA):
Auch die US-amerikanische FDA hat ihre Empfehlungen in einem ausführlichen Guidance-Dokument zusammengefasst, das zuletzt am 2. Juli 2020 aktualisiert wurde.



(Stand: 15. Februar 2020)


Kürzliche Aktualisierungen:

15.2.2021:  Hinweis auf jüngste Aktualisierung der EMA-Guidance aufgenommen

21.7.2020:  Hinweis auf Finalisierung einer EMA-Guidance aufgenommen / Hinweis auf jüngste Aktualisierung der FDA-Guidance aufgenomme

5.6.2020:  Hinweis auf jüngste Aktualisierung der FDA-Guidance aufgenommen

22.5.2020:  Hinweis auf jüngste Aktualisierung der ergänzenden BfArM/PEI-Empfehlungen aufgenommen / Hinweis auf jüngste Aktualisierung der FDA-Guidance aufgenommen

13.5.2020:  Hinweis auf jüngste Aktualisierung der FDA-Guidance aufgenommen

28.4.2020:  Hinweis auf jüngste Aktualisierung der EMA-Guidance aufgenommen

20.4.2020:  BfArM-Hinweise zu Medizinproduktestudien aufgenommen

17.4.2020:  Hinweis auf jüngste Aktualisierung der FDA-Guidance aufgenommen

16.4.2020:  Verweis auf FAQ-Liste des Arbeitskreises der Ethik-Kommissionen aufgenommen

3.4.2020:  Aktualisierung der Hinweise des Arbeitskreises der Ethik-Kommissionen / weiterer Link auf PEI-Homepage / aktualisierte Version der FDA-Guidance

30.3.2020:  Verweise auf MHRA-Anleitungen aufgenommen

28.3.2020:  Verweis auf ergänzende Empfehlungen von BfArM und PEI aufgenommen / Verweis auf Version 2 der EMA-Guidance aufgenommen / Verweis auf HMA aufgenommen

27.3.2020:  Aktualisierung der Hinweise des Arbeitskreises der Ethik-Kommissionen

26.3.2020:  Verweis auf Entwurf eines zweiten EMA-Guidance-Dokuments aufgenommen

20.3.2020:  Verweise auf EMA-Guidance-Dokument aufgenommen / Verweis auf neue MHRA-Empfehlungen aufgenommen

19.3.2020:  Erstausfertigung des Beitrags

 

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